Straßenkinderprojekt für Mädchen und junge Frauen „Casa Menina Mulher“ in Recife. Recife ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco im Nordosten Brasiliens. Brasilien, das fünftgrößte Land der Erde, ist ca. 23 mal so groß wie Deutschland und hat knapp 173 Mio. Einwohner. Es ist das größte Land Südamerikas und hat mit allen südamerikanischen Ländern, außer Chile und Ecuador, eine gemeinsame Grenzen. Ein Drittel des Landes wird im Norden vom Amazonas und seine vielen Seitenarmen durchzogen. Das Sozialprodukt pro Einwohner liegt hier bei etwa 4.410 US$ im Jahr.
Die Alphabetisierungsrate betrug 1990 81Prozent, d.h. 32 der 173 Mio. Brasilianer können weder lesen noch schreiben. Nur 1% des ohnehin mageren Erziehungshaushalts der Regierung wird für die Alphabetisierung aufgewendet.
Die hohe Analphabetenquote ist ein Hauptgrund für die große Zahl der Straßenkinder. Ohne die Schule besuchen zu können und lesen und schreiben zu lernen, haben die Kinder keine Chance auf eine Berufsaus-
bildung und landen auf der Straße, wo sie sich durch betteln, Diebstahl, kleine Jobs und Prostitution über Wasser halten müssen. Verschiedene Hilfsorganisationen versuchen mit Projekten den Straßenkindern einen Ausweg aus diesem Elend zu ermöglichen. Eines dieser Projekte möchten wir Ihnen nun vorstellen.
Das Projekt „ Casa Menina Mulher“ wurde 1994 ins Leben gerufen. Es handelt sich um ein Projekt für Mädchen, die tagsüber in Kursen wie Tanzen, Nähen, Textilverarbeitung und anderen kunsthandwerklichen Tätigkeiten unterrichtetet werden. Die Mädchen sind Straßenkinder und ehemalige Straßenkinder, sowie junge Frauen im Alter bis 25 Jahren.
Weitere Schwerpunkte der Projektarbeit sind die Gesundheitsvorsorge und die Empfängnisverhütung. Dazu wurde eine Krankenschwester eingestellt. Besonderen Wert legt das Projekt, das von zwei Koordinatorinnen geleitet wird, auf denn regelmäßigen Schulbesuch der Mädchen und die inhaltliche Begleitung der Schülerinnen. Ohne Bildung hätten die Mädchen keine Zukunft. Ein Teil der Mädchen wäscht ihre Wäsche im Casa-Menina-Mulher-Gebäude und macht sich dort auch für die Schule fertig (Körperhygiene und Ankleiden).
Die Geschichte der Mädchen ist in vielen Fällen grauenhaft. Vergewaltigungen, sexueller Mißbrauch in den Familien und auch auf der Straße, Gewalt, Armut, Hunger. Häufige Folgen dieser Umstände sind psychische Schäden. Deshalb hat „Casa Menina Mulher“ psychologisch geschulte Kräfte eingestellt, um die Mädchen zu betreuen.
Die Mädchen kommen werktags von 8 bis 17 Uhr in das Haus „Casa Menina Mulher“. Nachts jedoch erleben jene von ihnen, die noch kein Dach über dem Kopf haben, eine andere Realität. Leider hat bisher das Geld für „Casa Menina Mulher“ nicht ausgereicht, um den Mädchen auch die Möglichkeit zum Übernachten zu geben. Die Initiatorinnen von „Casa Menina Mulher“ haben mit der Betreuung der Mädchen auf der Straße begonnen, bis ihnen durch eine Schenkung ein Haus in der Nähe des Zentrums von Recife zur Verfügung gestellt wurde.
Bis heute hat „Casa Menina Mulher“ in seinem Büro noch nicht einmal einen PC. Es besteht aber die Aussicht auf einige Computer zu Ausbildungszwecken. Eine Organisation aus Luxemburg will sie zur Verfügung stellen. Der Trägerverein von „Casa Menina Mulher“ ist demokratisch-genossenschaftlich organisiert, staatlich anerkannt und weltanschaulich unabhängig.
Ende Juli 2000 fiel für „Casa Menina Mulher“ ein monatlicher Zuschuß von umgerechnet 330 € weg, den das Projekt aus Italien erhalten hat.
Allerdings verdienen einige der Mädchen des Projekts eigenes Geld durch den Verkauf von Textilien. Jedes Textil ist handbemalt und signiert. Das durch das Projekt verdiente Geld ist eine Basis für die Mädchen, um von Prostitution und kriminellen Aktivitäten Abstand zu halten.